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Joint-Degree Masterstudium in Schottland – eine Herausforderung in jeglicher Hinsicht

Reisebereicht Paisley

Wer eine Reise nach Schottland macht, der begibt sich in eine andere Welt, die einen sehr prägen kann und einem viele interessante Erfahrungen bereitet. Man muss sich auf jeden Fall auf einige kulturelle Unterschiede gefasst machen. Was als erstes auffällt ist, dass man trotz englischer Vorkenntnisse einige Verständnisprobleme haben wird. Dies liegt nicht an dem mangelnden Englisch, sondern an dem sehr eigenen Dialekt der schottischen Bevölkerung mit keltischem Hintergrund, was genauso für die Iren zutrifft. Da in Schottland ein anderes Selbstverständnis im täglichen Umgang und beim Feiern herrscht, ist alles etwas lauter, toller, ausgelassener und ungezwungener als in Deutschland. Von den sprachlichen Problemen abgesehen, sind die Schotten ein stolzes, aber dafür ein umso freundlicheres und hilfsbereites Volk, was man in diesem Ausmaß von Deutschland nicht kennt. Außerdem bekommt man während des Aufenthaltes dort von den Schotten Geduld und Gelassenheit beigebracht. In Schottland geht nichts schnell, absolut nichts ist so dringend und wichtig und wird so genau genommen wie in Deutschland.

Ich persönlich muss zugeben, dass man sich im Laufe des Aufenthaltes einigermaßen an den schottischen Dialekt gewöhnt, wenn der gemeine Schotte versucht Oxfordenglisch zu reden. Wenn man aber diese sprachliche Feuertaufe gemeistert hat, ist kein Dialekt oder Akzent im Englischen ein Problem mehr. Wobei aber die sprachliche Entwicklung begrenzt ist. Einmal durch den kurzen Aufenthalt und die vielfältigen Möglichkeiten mit deutschen Studenten auf deutsch zu kommunizieren. Was aber auf jeden Fall gewährleistet ist, ist die Entwicklung der schriftlichen Fähigkeiten im Englischen nachdem man eine erhebliche Anzahl von Hausarbeiten bewerkstelligt hat.

Das Studentenleben in den Wohnheimen ist geprägt von einer erheblichen Zahl von Feierlichkeiten der Erasmusstudenten, an denen man aber leider nicht immer teilnehmen kann, um das Soll des Masterprogramms relativ stressfrei zu erfüllen. Das Flair in den Wohnheimen ist sehr international und weniger schottisch, da wenige Schotten in den Wohnheimen leben. Dafür trifft man viele neue Bekannte, die am meisten vertretenen Nationalitäten sind dabei Franzosen, Polen, Deutsche, Spanier, sowie einige Niederländer. Eine andere große Gruppierung der chinesischen Kommilitonen bekommt man leider etwas seltener zu Gesicht und zu Gehör.

Das Studium an der UWS gestaltet sich relativ unproblematisch. Das Lehrpersonal ist sehr freundlich, hilfsbereit und bemüht sich darum, dass auch weniger geübte Englischsprachige der Vorlesung folgen können. Der inhaltliche theoretische Anspruch der Vorlesungen ist im Vergleich zu Deutschland eher einfacher, aber dafür im Vergleich von praktischerer Natur. Weiterhin wird ein erheblicher Anspruch an die Anfertigung von wissenschaftlichen Arbeiten gelegt, was durch die anfänglichen Sprachprobleme einen hohen Zeitaufwand erfordert, einem aber bei der Strukturierung zukünftiger Arbeit erheblich hilft.

Bei der Verpflegung im öffentlichen Leben der größeren Städte muss man sich unter Umständen auch ein wenig umstellen, da die schottische Gesellschaft genau wie die amerikanische gerne der Fast-Food Ernährung frönt mit Pommes zu allem was man sich vorstellen kann, begleitet von den obligatorischen „Fish and Chips“. Wobei man bei einer Reise in Richtung der schottischen Highlands viele gemütliche und zum Teil urige Restaurants findet in denen man die traditionelle und vorzügliche schottische Küche genießen kann, dabei ist besonders auch die Nationalspeise „Haggis“ zu empfehlen. Was die studentische Verpflegung angeht, besteht im Vergleich zu Deutschland ein erheblicher Unterschied darin, dass ein vergleichbares Studentenwerk fehlt und somit auch kein Mensasystem, wie aus Deutschland gewöhnt, vorhanden ist. Was einem aber bleibt ist die Eigenversorgung durch die örtlichen Lebensmittelläden, worunter auch bekannte Discounter sich befinden. Diese bieten das gleiche vielfältige Angebot wie in Deutschland und somit die gleichen kulinarischen Möglichkeiten. Man muss aber beachten, dass die Lebenshaltungskosten bei der öffentlichen Verpflegung einschließlich der abendlichen Pub-Besuche etwa um das Doppelte und bei der Eigenverpflegung um ein Drittel teurer sind als in Deutschland. Dies betrifft vor allem Milch und Milchprodukte. Im Gegensatz dazu sind elektronische Artikel in der UK um etwa die Hälfte billiger.

Ebenso muss man sich bei der Unterbringung ein wenig von deutschen Standards lösen. Bei starkem Regen und Wind kann schon einmal ein Tröpfchen bzw. das ein oder andere Windchen sich durch die Dichtungen der Fenster quetschen. Dafür kommt man aber in einigen Wohnheimen in den Genuss eines Reinigungsservice. Auch das Internet ist in den meisten Wohnheimen, von einigen Ausfällen abgesehen, drahtlos vorhanden und im Preis inbegriffen. Ein weiterer sehr wichtiger und großer Aspekt ist in der schottischen Gesellschaft und besonders in den Wohnheimen der Feuerschutz. Dieser geht über Alles und man braucht sich in Schottland keine Sorgen machen, dass man verbrennt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es besser ist keine Feuertüren auszuhängen, auch wenn sie den häufigen Weg in die Küche verhindern und die Feuerübungen und regelmäßigen Alarmtests sollte man einfach stoisch über sich ergehen lassen. Somit ist eine gewisse Kompromissbereitschaft und Abenteuerlust bei einem Schottlandaufenthalt auf jeden Fall von Vorteil.

Die Freizeitaktivitäten sind vielfältig. Es gibt ein großes Sportangebot, was aber nur in der Sportanlage und Sporthalle eines Wohnheimareals absolviert werden kann. Da die Schotten die ganze Woche über ein feierfreudiges Volk sind, bietet sich generell abends ein Besuch in einem typischen, urigen schottischen Pub an. Diese Atmosphäre lädt immer auf ein kühles Bier im geselligen Kreis ein. Dabei sind bei Schotten besonders Karaokeabende beliebt. Weiterhin kann man in Schottland viele schöne Ausflüge und kleine Reisen machen. Die Highlands, die Lochs, sowie die vielen Inseln im Westen sind wegen ihrer Landschaft, den vielen Schlössern und Burgen und natürlich wegen der Destillerien sehr beeindruckend. Es gibt sehr viel zu sehen und Schottland ist alleine deswegen eine Reise wert. Für solche Reisen bietet sich besonders die Anfangszeit des Trimesters und die Osterferienzeit an. Weiterhin kann man die Prüfungsvorbereitungswoche „Consolidation Week” für Reisen nutzen, wenn man die bis dahin angefallen Hausarbeiten einigermaßen abgearbeitet hat.

 

Das Joint-Degree Masterstudium in Schottland ist auf jeden Fall eine Herausforderung in jeglicher Hinsicht, aber auch in jeglicher Hinsicht die Mühe wert. Man bekommt ohne zusätzlichen Zeitaufwand innerhalb des Studiums und mit ein wenig Mehraufwand für eine Abschlussarbeit zwei Masterabschlüsse und jede Menge Lebenserfahrungen und die Möglichkeit seinen Horizont zu erweitern. Und das Schönste an einer langen, aufregenden Reise ist doch immer wieder die Heimkehr, die man dann viel mehr zu schätzen weiß.

 

M.Eng., MSc of CAE Andreas Schaller

Fakultät Maschinen- und Energietechnik

September 2009

Letzte Änderung: 28.8.2017
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